Fotos: © Dunja Schmidt, Kilian Schick, Leon Grunau; Teamfoto: © Carolin Nikolai
Der b-hof, Jugendzentrum der Stadt Würzburg, prägt seit 35 Jahren die lokale Jugend- und Subkultur. Viele haben hier wichtige Jahre ihres Lebens verbracht: erste Freundschaften geschlossen, Bands gegründet, Nächte durchgemacht. Doch der b-hof ist mehr als ein Treffpunkt – er ist ein Erinnerungsort, ein Raum für Aufbruch und Abenteuer, in dem sich Generationen ausprobiert, gefeiert und zusammengefunden haben.
1988–1991 – Ein umkämpfter Anfang
Als der Stadtrat 1988 beschließt, das Jugendzentrum Falkenhof in den Gewölbekeller der Bechtolsheimer Grundschule zu verlegen, ist der Widerstand vieler Anwohnerinnen und Anwohner groß. Dennoch wird die Entscheidung umgesetzt. Nach der Schließung des Falkenhofs 1990 und der Gründung des Fördervereins beginnt eine mehrjährige Umbauphase. 1991 öffnet der b-hof schließlich seine Türen im Gewölbekeller der Bechtolsheimer Grundschule. Was entsteht, ist kein durchgeplantes Kulturzentrum, sondern ein Ort im Werden. Schnell entwickeln sich erste Arbeitskreise, Musik wird zum zentralen Element, Proberäume und Auftrittsmöglichkeiten ziehen junge Bands an.
1990er bis frühe 2000er – Aufbau und Alltag
Über die Jahre wächst der b-hof mit seinen Aufgaben: Vom Konzertort zum lebendigen Ankerpunkt für Jugendliche. Ob bei Skifreizeiten oder Antidrogenprojekten – das Haus etabliert sich als essenzielles soziales Biotop und verlässlicher Schutzraum im Alltag. Dass solch ein Freiraum Reibungsflächen bietet, zeigt ein langjähriger Nachbarschaftsstreit; ein Zeugnis für das Spannungsfeld zwischen Entfaltung und Umfeld. Dass der b-hof diese Krisen überdauert, verdankt er der Symbiose aus professioneller Leitung und leidenschaftlichem Ehrenamt, die Teilhabe aktiv vorlebt.
2004 – Die Krise und der Zusammenhalt
Ein Einschnitt folgt 2004, als dem b-hof aufgrund finanzieller Engpässe die Schließung droht. Was folgt, ist ein starkes Zeichen aus dem Inneren des Hauses: Besucher und Mitarbeitende engagieren sich politisch, organisieren Unterstützung. Die Einrichtung bleibt bestehen, muss jedoch Kürzungen hinnehmen. Weniger Personal, weniger Mittel – und dennoch ein volles Programm. Dass der Betrieb weiterläuft, liegt vor allem am Engagement der Ehrenamtlichen, die Konzerte organisieren, Workshops anbieten und den Alltag mittragen. Auch im offenen Bereich bleibt der b-hof eine wichtige Anlaufstelle.
2005–2015 – Vielfalt als Prinzip
Die Jahre danach zeigen, was den b-hof ausmacht: Vielfalt und Offenheit. Breakdance, DJ-Kurse, Theater, Sportangebote, kreative Workshops und politische Bildung stehen nebeneinander. Formate wie „Kick Out The Band“ fördern gezielt junge Musikerinnen und Musiker, während Projekte mit Schulen, Initiativen oder der Polizei neue Zielgruppen erreichen. Ein offener Treff im Jugendcafé gehört selbstverständlich zum Alltag und bietet Raum für Begegnung, Austausch und eigene Ideen. 2011 feiert der b-hof sein 20-jähriges Bestehen mit einem zweitägigen Open Air mit vielen Aktionen und Auftritten überregional bekannter und lokaler Bands – ein sichtbares Zeichen dafür, wie fest der Ort inzwischen in der Stadt verankert ist.
2016–2019 – Szene, Nachwuchs, Auszeichnung
Der Fokus auf Jugendkultur, insbesondere Musik, zahlt sich weiter aus. Hip-Hop Tanz, Bandarbeit und Formate wie Beatboxing oder Siebdruck prägen das Programm. Der b-hof bleibt ein Ort, an dem erste Auftritte stattfinden, Ideen ausprobiert werden und Szenen zusammenkommen. 2019 folgt die bundesweite Anerkennung: Für sein kontinuierliches Engagement wird das Haus mit dem Backstage Clubaward in der Kategorie „Beste Nachwuchsarbeit und Förderung der lokalen Szene“ ausgezeichnet.
2020–2021 – Stillstand und neue Wege
Die Pandemie trifft das Herzstück des b-hofs hart: Stille statt Konzerte, Distanz statt Begegnung. Doch der Ort verschwindet nicht, er transformiert sich. Da die gewohnten Räume geschlossen blieben, verlagert sich das Geschehen in den öffentlichen Raum. Aufsuchende Jugendarbeit in der Innenstadt sowie gezielte Einzelfallhilfen bilden nun das neue Zentrum des Schaffens. Diese Phase unterstreicht die Relevanz der sozialpädagogischen Begleitung innerhalb der Offenen Jugendarbeit. Trotz physischer Distanz bleibt der Draht zu den Jugendlichen stets bestehen.
Seit 2022 – Neustart und neue Impulse
Nach der Pandemie knüpft der b-hof an alte Stärken an und entwickelt neue Formate. Festivals, Workshops, Sport- und Kreativangebote greifen aktuelle Themen auf, Projekte wie die Mädchentage oder Kooperationen mit Schulen zeigen, wie breit das Spektrum inzwischen ist. Offener Treff, aufsuchende Angebote und Beteiligungsmöglichkeiten sind weiterhin zentrale Bestandteile der täglichen Arbeit. Gleichzeitig bleibt der b-hof das, was er immer war: ein Ort, an den man einfach kommen kann.
2025 – Ein Ort, der bleibt
35 Jahre b-hof erzählen von Auseinandersetzungen und Beharrlichkeit, von Kürzungen und Comebacks, von lauter Musik und leisen Momenten. Vor allem aber erzählen sie von Menschen, die diesen Ort geprägt haben – als Besucher, Mitarbeitende oder Ehrenamtliche. Zwischen Gewölbekeller und Skateprojekt, Konzertabend und Gesprächsrunde entsteht hier bis heute ein Raum, der sich nicht festlegen lässt. Ein Raum, der Begegnung ermöglicht und jungen Menschen Platz zur Mitgestaltung gibt. Einer, der sich immer wieder neu erfindet – und gerade deshalb bleibt.
35 Jahre b-hof | Fr., 17.4. + Sa., 18.4.
Zum 35-jährigen Jubiläum hat der b-hof ein ganz besonderes Billing zusammengestellt: Alle beteiligten Bands haben mehr oder weniger im b-hof angefangen oder ihm im Laufe ihrer Geschichte zumindest sehr viel zu verdanken. Mitglieder aller Bands sind noch heute aktiv an der ehrenamtlichen Arbeit des Fördervereins beteiligt.
Freitag, 17.4., 19:30 Uhr (Saal)
• Boötes Void (Black Metal)
• Dead United (Horrorpunk)
• The Car Bomb Club (Pöbelpunk)
• Flaming Homer (Metal/Hardcore Cover)
Tickets im VVK 10 €
Samstag, 18.4., 15:30 Uhr (oben)
• Beliver 43 (Rock)
• Nicobi (Rap)
• MedizinMane (Rap)
kein VVK, Eintritt auf Spendenbasis
Samstag, 18.4.,20 Uhr (unten)
• Devil May Care (Post HC/Metalcore)
• Call It A Day (Post-Hardcore)
• Thy Goat (Melodic Death Metal)
Tickets im VVK 10 €