Straße
Der Mensch ist in seiner Mobilität immer uneingeschränkter und die Reiselust steht hoch im Kurs. Wer soll es uns auch verdenken? Es gibt eine schier unüberschaubare Bandbreite an faszinierenden Orten auf dieser Erde und die notwendige Technik und Infrastruktur steht bereit, diese immer wieder zu besuchen. Immer am selben Fleck zu sein wird schnell langweilig. Dennoch bringt die Mobilität so manche Tücke mit sich: Man denke an 1,5 Millionen Kilometer Stau, die sich jedes Jahr in Deutschland ansammeln – 450.000 Stunden ohne Bewegung auf der Autobahn sind nicht gerade unterhaltsam. Oder lange Nächte am Flughafen, wenn die Piloten streiken oder die Wetterbedingungen nicht die sind, die sie sein sollten. Es gibt also immer Nachholbedarf in Sachen Mobilität. Doch welche Möglichkeiten hat der Mensch eigentlich um sich noch effizienter auf dem Globus zu bewegen?
So gut wir auch jetzt schon von A nach B kommen, gibt es auch immer noch Luft nach oben. In Sachen Mobilität werden immer neue Wege gefunden dieses B schneller, bequemer und günstiger zu erreichen – von der Umwelt ganz zu schweigen. Eine Person tut sich da ganz besonders hervor: Elon Musk. Ein Mensch, der am Ende seine Lebens 20 Jahre weniger geschlafen hat als Otto-Normal-Lebensformen macht sich gerne über das Reisen der Zukunft Gedanken. So ist ihm eine Idee ins Hirn gekrochen, die den Namen „Hyperloop“ trägt. Der „Hyperloop“ ist eine Art Zug, der sich im luftleeren Raum – also im Vakuum – schneller als der Schall bewegen könnte. Dabei braucht es keinen Kraftstoff, es gibt nämlich keinen Luftwiderstand, nur ein Magnetfeld, das den Loop zum Schweben bringt. Doch so immens auch am „Hyperloop“ geforscht wird und so vielversprechend seine Argumente auch sein mögen, wie man es dreht und wendet, technisch ist die Umsetzung einfach noch nicht möglich. Schade, denn im „Hyperloop“ wären Entfernungen von München nach Berlin so, als würde man vom Bahnhof in die Königsbergerstraße mit der Straßenbahn fahren.
Der magnetische Hochgeschwindigkeitszug kann also in seiner geplanten Ausführung nicht fertig konstruiert werden. Der zweite Punkt des „Hyperloop“-Dilemmas ist die Frage, wo er unterwegs sein sollte. Die geographischen Bedingungen für eine Umsetzung müssen erst einmal gegeben sein und das nötige Material zum Aufbau eines Streckennetzes würde durchaus ein paar Mark kosten. Nicht jeder wird direkt vor seiner Haustüre in den Loop steigen können und auch Überseefahrten sind denkbar schwer umzusetzen. Es ist also mal wieder die biedere Natur, die dem wissenschaftlichen Fortschritt fundamental im Wege steht. Auf der Suche nach der Mobilität von Morgen scheint der „Hyperloop“ wohl erst einmal auszuscheiden.
Allerdings gibt es noch andere Wege, sich Raum und Zeit gefügig zu machen. Dabei fällt das Licht auf einen Konzern der hiesigen Automobilindustrie, der konkrete Vorschläge für die bewegte Zukunft ins Rennen geschickt hat. Im letzten Jahr hat Volkswagen sein erstes autonom-fahrendes und völlig digitalisiertes Auto vorgestellt – falls die Bezeichnung Auto überhaupt noch angebracht ist. Lenkrad oder Gas- und Bremspedale wird „Sedric“, wie das Modell klangvoll getauft wurde, nicht mehr nötig haben. Das Fahrzeug soll vollständig ohne menschliches Zutun gesteuert werden. Möglich kann dieser größte aller Pendler-Träume werden, weil sich „Sedric“ voll und ganz mit seiner Umwelt vernetzten wird. Das Auto stellt sozusagen eine eigene Internetadresse dar. Alles, was während der Fahrt mit „Sedric“ ausgestoßen oder umgewandelt wird, werden also kleine Einsen und Nullen sein. Und solange es beim VW-Konzern keine Server-Probleme gibt, muss auch keiner im Datenstau stecken bleiben.
Mit anderen Worten: Der Mensch wird beginnen im Auto zu leben. Man kann überall von seinem Wohnzimmer aus mit hingenommen werden. Filme und Unterhaltung können, wie im Flugzeug, auf jeder Fahrt in den Urlaub gegen die Langeweile einfach aufgesogen werden. Zu einer kurzen Kaffeepause wird man sich in Zukunft am mobilen Esstisch treffen, während man sich kurzerhand zum Supermarkt gleiten lassen lässt. Das heißt im Prinzip nichts anderes, als dass die Umwelt eine Umwelt sein wird, die in ständiger Bewegung ist. Andere Menschen um uns herum werden sich ebenfalls in bewegten Vehikeln befinden. Über Funksignale wie GMS, UMTS oder GPS werden die Fahrzeuge selbst mit Gegenständen auf der Strecke kommunizieren können. Stau wird es keinen mehr geben, weil die alle Autos auf den Straßen gegenseitig aufeinander abgestimmt sein werden. Und warum sollte man überhaupt schnell nach Hause kommen wollen, wenn das Auto zu den eigenen vier Wänden geworden ist? Egal wo man genau ausgestiegen ist, es wird dann immer so sein, als würde man nur schnell nach nebenan gehen.
Man merkt, die Möglichkeiten wie wir in Zukunft unterwegs sein werden sind vielseitig und teils schwer vorstellbar. Wie genau die Fortbewegung in Zukunft aussehen wird bleibt abzuwarten. Wird die Forschung den Sprung schaffen zu Hochgeschwindigkeitsmaschinen, wie dem „Hyperloop“ oder neuen Flugzeugmodellen, die für Jedermann bezahlbar, zugänglich und verfügbar werden? Es wäre der Traum eines jeden Reisenden innerhalb von wenigen Stunden riesige Sprünge auf der Erdkugel tun zu können. Die Erde würde so tatsächlich zu einem Dorf werden. Oder wird es gar nicht darum gehen, die Hürden der Umwelt zu überwinden – womöglich sogar auf deren Kosten – sondern wird in Zukunft die Umwelt ein Bestandteil der Mobilität werden? Der Mensch hätte nicht mehr seine feste Höhle, sondern wäre in gewissem Maße selbst ein fixer Punkt um den sich die Welt bewegt, ohne sein Dazutun. Die Erde würde dadurch klein werden, dass sich die Zeitlichkeit verändert. Im besten Fall weiß man gar nicht, wie lange die Reise gedauert hat, man steigt aus und ist am Ziel.