1 von 2
© Proumon Media
2 von 2
© Proumon Media
Der Würzburger Musiker und Comedian Robert Alan geht im kommenden Jahr mit „AUA – das war schön“ auf große Deutschlandtour. Die Premiere findet am 19. Februar in Berlin statt. Bereits im September testet er die Show mit zwei exklusiven Previews im Theater am Neunerplatz erstmals live vor Publikum. Wir haben mit ihm unter anderem über sein neues Programm, seine Entwicklung als Künstler und über sein Leben abseits der Bühne gesprochen.
Was erwartet das Publikum bei deinem neuen Programm konkret? Welche Themen, Geschichten und Songs finden sich dort wieder?
Auch bei meinem neuen Programm „AUA – das war schön“ erwartet die Zuschauer der typische Alanesque-Mix aus weirden Liedern und noch weirderen Stand-ups. Ich habe mich in dem, was ich tue, nicht neu erfunden. Ich bin nur besser geworden. Besser geworden durch viele Niederlagen wie z. B. schlechte Auftritte, gescheiterte Beziehungen, zerbrochene Freundschaften etc. Jede Niederlage hat ihre berechtigten Gründe gehabt und ich bin froh, daraus gelernt zu haben und das nun mit positiver Energie auf die Bühne bringen zu können.
Du bist inzwischen deutschlandweit unterwegs, trittst mit den Previews aber bewusst im Theater am Neunerplatz auf. Welche Bedeutung hat Würzburg für dich und deine Arbeit?
Ich wohne seit 2010 hier in Würzburg und es ist mittlerweile meine zweite Heimat geworden. Jedes neue Programm, das ich schreibe, teste ich immer zuerst im Neunerplatz Theater. Bei den Try-out-Shows sitzen dann dementsprechend natürlich auch immer viele Freunde mit im Saal. Wenn die dann bei manchen Nummern nicht lachen, weiß ich, dass es wirklich nicht funny ist.
Was liebst du persönlich an diesen ganz besonderen Try-out-Shows?
Ganz klar die Ungewissheit darüber, wie die neuen Lieder und die neuen Geschichten auf der Bühne ankommen. Zuhause macht das natürlich immer alles Sinn, was man so schreibt. Aber wenn man die neuen Nummern dann das erste Mal auf der Bühne spielt, merkt man erst, welche Nummern man lieber auch zuhause hätte lassen sollen.
Wie hat sich deine Arbeit als Musiker und Comedian in den vergangenen Jahren verändert und was kannst du heute auf der Bühne, was du dir früher noch nicht zugetraut hättest?
So abgedroschen es klingt, aber ich habe in den letzten Jahren tatsächlich mehr zu mir selbst gefunden. Ich spiele im Jahr um die 120 Shows. Dadurch wird man sicherer, man traut sich mehr zu und lässt sich nicht mehr so schnell aus der Ruhe bringen wie noch zu Anfangszeiten. Sprich: Ich kann endlich die Sachen auf der Bühne machen, die ich mir fälschlicherweise schon am Anfang zugetraut habe.
Der Alltag ist für Comedians Privatleben und Rohstofflager zugleich. Bei welcher absurden Situation hast du zuletzt gedacht: „Wenigstens sind das zehn Minuten fürs nächste Programm“?
Als mir ein Typ vom Finanzamt am Telefon erzählt hat, dass der gesamte Finanzapparat auseinander brechen würde, wenn alle so verspätet ihre Steuern zahlen würden wie ich.
Im April hast du „Präsident“ veröffentlicht. Auf was dürften wir uns mit Rob als Staatsoberhaupt gefasst machen?
Als Staatsoberhaupt würde ich erstmal Milliardäre abschaffen, Managergehälter kürzen und die Kohle Erzieher*innen und Pfleger*innen zukommen lassen. Wie das Geld in diesem Land verteilt ist, ist ne absolute Frechheit.
Comedy lebt davon, Dinge zuzuspitzen. Wie viel von Robert Alan auf der Bühne bist tatsächlich du und wie viel ist eine Figur, die sich inzwischen verselbstständigt hat?
Es gibt zwei Versionen von mir. Die private Version und die Bühnenversion. Die private Version ist eher leise und zurückhaltend und die Bühnenversion lässt alles raus, was sich die private nicht traut. Und darüber bin ich sehr froh. Wenn ich privat so wäre wie auf der Bühne, wäre ich wahrscheinlich sehr einsam.
Auf der Bühne und in deinen Videos wirkst du, als wäre dir relativ wenig peinlich. Was ist dir in Wahrheit wahnsinnig unangenehm?
Wenn Menschen in meiner Anwesenheit Lieder oder Videos von mir konsumieren. Da könnte ich im Boden versinken, weil’s der privaten Version von mir wirklich unangenehm ist.
Seit du Vater bist, bist du nach eigener Aussage nicht mehr ganz so ein Hänger wie früher. Hat dich das Elternsein tatsächlich erwachsen werden lassen?
Also ich glaube nicht mehr an dieses „Erwachsenwerden“. Ab wann ist man denn erwachsen? Mit 18? Mit Kind? Mit Rente? Ich bin nicht erwachsener geworden, seit ich Vater geworden bin – es hat eher dafür gesorgt, dass sich meine Prioritäten verschoben haben. Ich habe noch dieselben kindischen Gedanken wie immer. Ich lebe nur ein bisschen gesünder als vorher, weil ich für meinen Sohn steinalt werden will.
Gemeinsam mit Nektarios Vlachopoulos hast du „Die Zerstörung des Helgo Schneider“ aufgenommen – einen Diss-Track auf einen der Unantastbaren des deutschen Humors. Hat Herr Schneider euch geärgert?
Helge ist natürlich King. Keine Diskussion. Auf der anderen Seite ist’s aber auch so, dass es einfach en vogue geworden ist, Helge gut zu finden. Jeder Dullie beansprucht Helge für sich und meint, in ihm seinen persönlichen, weirden Nischenkünstler gefunden zu haben. Es ist super easy, Leute wie Mario Barth oder Pocher zu haten. Gehört ja auch zum guten Ton. Aber was passiert, wenn man den großen Helge Schneider angreift? Nektarios und ich haben uns gefragt, wie viel Humor die ganzen Helge „Fans“ denn wirklich haben. Turns out – viele von denen nicht so viel. Wer wirklich gedacht hat, wir meinen das ernst, kann kein Helge-Schneider-Fan sein.
Du hast Grombühl bereits erfolgreich musikalisch verewigt. Welcher Würzburger Stadtteil hätte dringend einen Song verdient und welcher sollte froh sein, dass du ihn bisher verschont hast?
Kein Stadtteil von Würzburg außer Grombühl hat ein Lied verdient. Wenn, dann vielleicht das Frauenland – aber auch nur aus Mitleid.
Tickets für die Previews am 18. und 19.9. sind im VVK auf www.neunerplatz.de erhältlich.
www.streuner.online | Instagram: @robot_alan