Unter dem Namen Madame Dessert veröffentlicht Eva Bachmann seit 2014 Rezepte auf ihrem Blog und Social Media. Die leckeren Kreationen treffen gekonnt den Spagat zwischen Omas Klassikern und extravaganter Backkunst. Außerdem arbeitet sie als Foodfotografin für namhafte Unternehmen und gibt ihr Wissen – eine Mischung aus Kreativität, Handwerk und Ästhetik – in Workshops weiter. Am 14. Oktober erscheint ihr erstes Buch: Das inoffizielle Ghibli-Backbuch lässt mit über 50 Rezepten die Fantasiewelten von Totoro, Chihiro oder Kiki in der Küche lebendig werden. Wir sprachen mit Eva über die Magie von Studio Ghibli, das Foodbloggen, ihre Workshops und sie verrät, wie ein Glas Wasser ein Buchprojekt ins Wanken bringen kann.
Wie entstand die Idee, ein inoffizielles Ghibli-Backbuch zu schreiben – und was war der Auslöser, zu sagen: „Das wird mein erstes Buch“?
Die Anfrage, ein Ghibli-Backbuch zu schreiben, erreichte mich zwei Wochen, nachdem ich meinen Flug nach Japan – dem Heimatland des Animationsstudios – gebucht und die Ausfl üge zum Ghibli Park und zum Ghibli Museum geplant hatte. Da stand für mich eigentlich schon fest: Dieses Buchprojekt muss ich umsetzen! Es ist ein Thema, für das mein Herz schlägt, und es kam zu einem Zeitpunkt, der einfach perfekt war.
Deine Rezepte sind inspiriert von Figuren und Szenen, die viele Menschen seit der Kindheit begleiten. Welches Rezept im Buch liegt dir persönlich am meisten am Herzen und warum?
Oh, ich liebe so viele der Rezepte, aber Ponyos Ramen-Cupcakes stehen definitiv ganz weit oben auf der Liste. Wenn Ponyo im Film begeistert vor ihrer heiß dampfenden Schüssel Ramen auf und ab hüp , ist das für mich einfach Lebensfreude pur! Während die Welt draußen Kopf steht, zaubert Lisa drinnen aus gewöhnlichen Instant-Nudeln ein kleines Wunder für Ponyo und Sōsuke. Wie kostbar eine scheinbar so gewöhnliche Situation sein kann … Und das nehme ich auch immer wieder aus den Filmen mit: Glück liegt nicht in der Perfektion, sondern in der unverstellten Freude an den einfachen Dingen.
Die Filme von Studio Ghibli sind mehr als nur Animationskunst, sie sind für viele ein Lebensgefühl. Gibt es eine bestimmte Szene, die dich persönlich emotional besonders bewegt hat?
Kikis Schokoladenkuchen aus dem Film »Kikis kleiner Lieferservice« berührt mich definitiv jedes Mal aufs Neue. Die Szene, in der die alte Dame der kleinen Hexe nach all den Zweifeln und Rückschlägen ihren selbstgebackenen Kuchen überreicht und damit sagt: »Das ist mein Dankeschön« und für einen Moment einfach nur Stille herrscht. Da geht es um so viel mehr als nur Kuchen. Es geht um Wertschätzung, um das Gesehen-Werden, um die Gewissheit, dass Freundlichkeit immer ihren Weg zurückfi ndet. Essen als Zeichen der Dankbarkeit, der Wärme, der Gemeinschaft und der bedingungslosen Wertschätzung – das ist für mich die Essenz von Ghibli-Küche. Es dient nie einfach nur als Mittel zum Zweck, sondern stärkt Beziehungen und schafft magische Momente.
Wenn du eine Figur aus den Ghibli-Filmen zum Kaffee einladen könntest – wer wäre es, und was stünde auf dem Tisch?
Schwere Entscheidung! Mit Muta aus dem Königreich der Katzen würde ich ein Festbankett aus Dorayaki, Purin und Erdbeertorte genießen. Mit Marnie würde ich Marmeladenkekse im Mondschein schmausen. Und mit Kiki und Jiji einen ganzen Berg frisch gebackener Pfannkuchen verhapsen.
Seit über zehn Jahren führst du deinen Blog Madame Dessert und hast dir eine große Community aufgebaut. Was hat sich in dieser Zeit verändert?
Was sich nie geändert hat, ist meine Liebe zum Geschichtenerzählen durch Essen. Aber die Community hat sich verändert – Menschen, die nicht einfach nur nachbacken, was ich veröff entliche, sondern ihre eigenen, teilweise sehr persönlichen Erinnerungen mit mir teilen. Ich bekomme Fotos meiner Rezepte auf Geburtstagen, Hochzeiten und anderen wichtigen Ereignissen und bin so indirekt Teil vieler davon, was mich unheimlich freut.
Wer deine Kreationen kennt, weiß: Sie sind fantasievoll und gleichzeitig detailverliebt. Wie balancierst du zwischen machbar für alle und optisch spektakulär?
Die Kunst eines guten Rezeptes liegt darin, dass es nicht nur gut ausschaut oder gut schmeckt, sondern auch gelingt. Ich teste jedes Rezept mehrfach und überlege dabei: Wie kann ich jemandem helfen, der zum ersten Mal einen Biskuit bäckt, einen Mochi-Teig zubereitet oder Royal Icing Dekorationen spritzt? Außerdem biete ich immer Rezepte mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen an: Von einfachen Calcifer-Keksen bis zum 12-beinigen Katzenbus-Kastenkuchen oder Kikis kleinteiligem Brotkranz. Die Magie entsteht hier nicht durch Unmögliches, sondern durch liebevolle Details, die jeder schaffen kann.
Du bist nicht nur Bloggerin, sondern auch eine erfolgreiche Foodfotografin. Was siehst du durch die Kamera, das dir ohne Linse verborgen bleiben würde?
Der Blick durch die Kamera rückt für mich Details in den Fokus. Ich liebe das Spiel mit dem Licht, wie es auf die Szene fällt, Texturen hervorhebt, Stimmung schafft – Dinge, die mit dem bloßen Auge manchmal übersehen werden.
Du bietest auch Workshops an, in denen du dein Wissen weitergibst. Welche Momente sind dir dabei besonders wichtig – die technischen Aha-Effekte oder das kreative Ausprobieren?
Die Aha-Momente der Teilnehmenden gehören definitiv zu meinen Highlights! Wenn sie auf einmal begreifen, wie sie ihre Kamera ganz gezielt für sich und ihre eigenen Vorstellungen einsetzen können. Aber noch wichtiger ist es für mich, dass sie ihre eigenen kreativen Wege finden, und das oft auch erst in den Wochen und Monaten nach dem Kurs. Wenn sie verstehen, dass Technik nur das Werkzeug ist, und erst ihre eigene Kreativität das, was daraus Magie macht.
Du hast so viele Bilder und Rezepte geschaffen – gibt es trotzdem etwas, das du noch nie gebacken hast, dich aber reizt?
Ich träume tatsächlich davon, irgendwann einmal eine mehrstöckige Laputa-Torte zu kreieren – das schwebende Schloss im Himmel mit essbaren Kristallen, üppigen Pflanzen und halbzerfallenen Ruinen. Aber abgesehen davon finde ich die traditionelle japanische Wagashi-Kunst sehr faszinierend. Dazu werde ich auf meiner Japanreise bestimmt noch einiges lernen.
Auch in der besten Küche läuft nicht immer alles glatt. Hast du eine lustige Anekdote zu einer Panne oder einem Missgeschick, die du mit uns teilst?
Missgeschick: Ja! Lustig: eher weniger ... Mitten in der Arbeit am Buch ist mir ein volles Glas Wasser in die Laptop-Tastatur gelaufen. Ergebnis: Wirtschaftlicher Totalschaden! Ich war gerade dabei, die Reisklößchen-Köpfe für die Kashira-Mat-cha-Dangos zu formen, und dachte im ersten Moment, mein ganzes Projekt sei verloren. Auch wenn alle Daten mehrfach gesichert waren, hat mich die Situation ganz schön ins Schwitzen gebracht. Aber es ist wohl wie in jedem wahren Ghibli-Abenteuer: Manchmal braucht es einen kleinen Sturm, um zu schätzen, was man hat.
Zusammen mit deinem Mann leitest du ein Designbüro. Wie sehr inspiriert dich der Wechsel zwischen Design und Küche und gibt's da vielleicht sogar Schnittstellen?
Design und Fotografie bzw. Backen und Rezepte entwickeln sind für mich zwei Seiten derselben Medaille. Es geht dabei um Komposition, Präzision, Farben, Texturen und das Geschichtenerzählen. Im Designbüro lerne ich, wie wichtig es ist, komplexe Ideen einfach zu kommunizieren, was mir enorm beim Schreiben von Rezepten hilft. Und die Präzision und Liebe zum Detail, die ich beim Backen entwickelt habe, fließen direkt in meine Designprojekte ein.
Und zum Abschluss: Was hoffst du, dass Leserinnen und Leser mitnehmen, wenn sie dein Buch aufschlagen?
Dieses Buch ist meine Einladung, innezuhalten und das Wunderbare im Gewöhnlichen zu entdecken. Ich möchte, dass Menschen beim Kneten von Mochi oder beim Verzieren von Totoro-Windbeuteln spüren: Das Wunderbare wartet nicht in fernen Welten, sondern liegt hier, in diesem Moment, in dem, was wir mit Liebe erschaffen und mit anderen teilen. Jedes Rezept ist wie eine kleine Zeitreise - zurück in die eigene Kindheit, zu den Menschen, die wir lieben, zu den Träumen, die wir noch träumen wollen. Wenn jemand nach dem Backen eines meiner Rezepte ein bisschen mehr Magie in seinem Alltag spürt, dann habe ich alles richtig gemacht.
www.madamedessert.de | www.instagram.com/madamedessert.de | www.emf-verlag.de
»Das inoffizielle Ghibli Backbuch« erscheint am 14.10.2025 und kann auf autorenwelt.de/ghibli-backbuch sowie überall dort, wo es Bücher gibt, vorbestellt werden.
FRIZZ verlost 3x1 Backbuch! Bis 31.10.2025 eine Mail mit dem Betreff „Madame Dessert" sowie Name und Telefonnummer an verlosung@frizz-wuerzburg.de schicken. Teilnahmebedingungen: www.frizz-wuerzburg.de/verlosung/teilnahmebedingungen