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Es ist Anfang Oktober, kurz nach sieben, und das Feld ist lila. Nicht golden – lila. Der Safrankrokus blüht in einem zarten, fast durchscheinenden Ton, und das Kostbare sitzt tief in seinem Inneren: drei rote Fäden pro Blüte, dünn wie ein Haar. Man öffnet die Blüte mit zwei Fingern, zupft – und hält einen winzigen Bruchteil eines Gramms von dem in der Hand, was als kostbarstes Gewürz der Welt gilt. Dann die nächste Blüte. Und die nächste.
Dass das im Thüringer Altenburger Land geschieht, ist keine Laune moderner Landwirtschaft. Es ist eine Rückkehr. Vor mehr als 500 Jahren machte Safran die Region wohlhabend, dann verschwand er für fast vier Jahrhunderte. Heute wächst das „Rote Gold“ wieder – und mit ihm eine Genusswelt, die Geschichte, Handwerk und Landschaft verbindet.
Erwähnt 1437
Im Altenburger Stadtarchiv liegt ein Beleg aus dem Jahr 1437. Darin taucht der Crocus sativus erstmals auf. Damals eine kostbare Ware, mit der sich viel Geld verdienen ließ. Im 15. und 16. Jahrhundert erlebte die Region eine Blütezeit, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Safran wurde bei festlichen Anlässen am Residenzschloss verwendet und galt als Zeichen von Wohlstand und Pracht. Die Knollen gelangten bis an hochadelige Höfe und schmückten dort die Gärten mit ihrem lila Leuchten.
Mit dem Dreißigjährigen Krieg verschwand der Safran allmählich aus dem Stadtbild, nicht aber aus dem kulturellen Gedächtnis. Er überlebte in einem Kinderlied, das bis heute fast jedes Kind kennt: „Safran macht den Kuchen gel.“ Seit 2016 wächst der edle Krokus wieder in der Region – nach knapp 400 Jahren Pause.
Drei Fäden, von Hand
Auf dem Safranfeld der Straußenfarm Burkhardt kann man selbst mithelfen. Morgens werden die Blüten gesammelt und im Anschluss lassen sich die feinen Fäden aus der frischen Ernte zupfen. Bei Führungen über die Original-Anbauflächen, vorbei an Schaubeeten und Versuchsfeldern, vermitteln die Safranexperten von W³ Wissen aus erster Hand: Wie wird Safran angebaut? Was macht den Altenburger Safran besonders? Und welche Möglichkeiten stecken in den drei roten Fäden?
Wenn Safran auf Genuss trifft
Der Altenburger Ratskeller widmet dem Gewürz eine eigene kulinarische Bühne. Serviert werden Risotto Milanese mit Altenburger Safran und Gambas, Hähnchenbrust Teriyaki in Sesamhülle sowie eine vegetarische Risotto-Variante mit glasierten Cherrytomaten. Ein fruchtiger Safran-Frozen-Joghurt rundet das Angebot ab.
Im Hotel & Restaurant Reussischer Hof in Schmölln steht der Altenburger Safran im Mittelpunkt eines Drei-Gang-Menüs: Fenchel-Safran-Fond mit Meeresfrüchten, Grillhähnchen mit Safran-Kardamom-Soße und zum Abschluss ein Parfait von weißer Schokolade mit Safran-Orange. Die Pauschale „Safran für Genießer“ verbindet das Menü mit zwei Übernachtungen und Thüringer Gastlichkeit.
In der Hotel-Pension Treppengasse lädt die Pauschale „Safran-Momente“ dazu ein, das Safranleuchten mit einem Aufenthalt in Altenburg zu verbinden. Zentrumsnah übernachten lässt es sich ebenso im Parkhotel Altenburg, dessen hauseigenes Restaurant „Da Angelo“ ebenfalls Gerichte mit Altenburger Safran serviert.
Darüber hinaus zeigt die Region, wie vielseitig Safran sein kann: in bretonischem Fischtopf, Ziegenkäse mit Safranbirne, gefüllten Teigtaschen mit Safran-Crème, hausgemachtem Eis oder saisonalen Kreationen aus der Konditorei. In einer Hofkäseschule wird eigener Ziegenkäse hergestellt und mit Kräutern und Safran veredelt. In einer Fleischerei können Gäste ihren eigenen Schinken würzen, während bei einer Verkostung Safranlikör, weitere Brände und Walliser Raclette zusammentreffen. Ein Gewürz, unzählige Möglichkeiten.
Safran, den man nicht isst
Auch beim Malen und Färben kommt Safran zum Einsatz. Hinzu kommen eigens entwickelte Düfte, Seife mit Ziegenmilch, ein Saffron Infused Double IPA, Trinkschokolade, Safran-Salz, Safran-Baiser, Senf und sogar ein Kartenspiel rund um eine Safran-Kochmeisterschaft. In der Skatstadt sollte das nicht überraschen.
Acht Stationen und ein Feld
Zurück in die Stadt, denn dort beginnt die Geschichte. Acht Stationen in der Altstadt führen durch mehr als 500 Jahre Safrananbau. Der Weg lässt sich individuell oder im Rahmen einer Führung entdecken. Von Ende September bis Anfang November tauchen Blühflächen und Blühkästen das Altenburger Land in lila Farbe. Und wenn man selbst im Feld steht, mit kalten Fingern und drei roten Fäden in der Hand, wird verständlich, warum es hier heißt: Lila Liebe geht durch den Magen.
Infos & Buchung:
Tourismusverband Altenburger Land e.V., Markt 10, 04600 Altenburg, Tel. 03447 / 896689, info@altenburg.travel