Seit 1985 behauptet sich das Immerhin als kultureller Gegenentwurf zu Kommerz, Mainstream und Beliebigkeit. Was einst aus einer christlichen Teestube entstand, wurde mit viel Idealismus und ehrenamtlichem Engagement zu einem Treffpunkt für Jugendliche und Junggebliebene. Zwischen Punk, Politik und Popkultur entwickelte sich über 40 Jahre hinweg ein Ort, der nicht nur Konzerte veranstaltet, sondern Haltung zeigt – und das bis heute.
1985 – Geburt eines Jugendtreffs abseits des Mainstreams
Mitte der 1980er-Jahre tobte in Würzburg das Nachtleben: Clubs wie das Caveau oder das frisch eröffnete Airport zogen Tanzwütige an. Doch wer zu jung für die Szene oder zu alternativ für die Chartpartys war, hatte es schwer. Jugendzentren galten als uncool, der legendäre Falkenhof war ein Dauerzankapfel der Stadtverwaltung, b-hof und Cairo existierten noch nicht. Aus dieser Lücke entstand 1985 die Idee, die christliche „Teestube“ der Evangelischen Jugend in einen Treffpunkt für junge Menschen zu verwandeln.
Ehemalige Gäste der Teestube überzeugten die Kirche: Die Location im „Haus mit der Sonne“ am Friedrich-Ebert-Ring 27 sollte bleiben, aber als selbstverwalteter, ehrenamtlich betriebener Treffpunkt. Und so entstand – mit wenig Geld, aber dafür mit viel Idealismus – ein Ort, an dem kostenlos Tee und Wasser ausgeschenkt wurden, Spieleabende, Punkkonzerte und schräge Musik den Takt vorgaben – jenseits vom Mainstream.
1990er – Auf dem Weg zum Szeneclub
In den 90ern wuchs das Immerhin zu einem Treffpunkt für Musikfans heran, der längst über die Grenzen der Stadt bekannt war. DJs wie der ehemalige Akw!-Resident fanden im Immerhin ein neues Zuhause für ihre „schräge Musik“. Künstler*innen, Musizierende und Kulturschaffende stießen dazu, gründeten Formate, organisierten Konzerte – die kleine Bühne (3,5 x 3 Meter) entwickelte sich zum Sprungbrett für lokale und regionale Bands, die hier erste Erfahrungen sammeln konnten und voller Leidenschaft vor ein paar Leuten spielten.
Mit den Jahren kamen bessere Technik, mehr Licht, mehr Herzblut – und dank der Verbundenheit zur Kirche: ein kostenloser Schlafplatz für Tourbands im darüberliegenden Bibelsaal. Zwischen DIY-Charme und bröckelndem Putz formte sich eine subkulturelle Szene mit Seele. Zahlreiche Bands machten auf ihren Tourneen Station im Immerhin und schlossen Freundschaft mit dem ehrenamtlichen Team. Nicht selten kamen so dauerhafte Verbindungen zustande.
2010 – Neubeginn unter der Posthalle
Nach monatelanger Standortsuche fiel die Wahl auf die ehemalige Sortieranlage der Post am Hauptbahnhof, besser bekannt als Posthalle. Die Kirche investierte in bauliche Maßnahmen, das Team krempelte die Ärmel hoch – und ein neues Kapitel begann. Die Getränkeeinnahmen fließen in Technik, das Team wächst, Kulturförderungen sichern Konstanz. Der Club wird regelmäßig von der Stadt Würzburg für seinen Einsatz ausgezeichnet – und bleibt dennoch: ein Jugendtreff. Einer, in dem sich junge und ältere Subkultur-Engagierte begegnen, junge Künstler*innen die ersten und bekannte Bands die kleinsten Konzerte spielen. Ein Ort, an dem Kunst neben Musik atmen darf und der Samstagabend sich nach Rebellion und Zusammenhalt anfühlt.
2025 – Ein Ort, der bleiben muss
40 Jahre Immerhin – das ist mehr als ein Jubiläum. Es ist ein Beweis dafür, dass Engagement, Idealismus und eine gute Portion Dickköpfigkeit einen Ort schaffen können, der Generationen überdauert. Noch immer staunen Besucher*innen und Bands, wenn sie erfahren, dass der Club eigentlich ein Jugendzentrum ist. Bleibt zu hoffen, dass die Posthalle noch ein paar Jahre durchhält. Denn mal ehrlich: Wo soll der ganze Lärm sonst hin?
IMMER IMMERHIN weil ...
Martin Heilig, Oberbürgermeister der Stadt Würzburg
„Seit vier Jahrzehnten ist das Immerhin ein fester Bestandteil der Würzburger Kulturlandschaft – ein Ort für junge Menschen, für Musik, Kreativität, Engagement und Begegnung. Ein Ort für Subkultur und Rock n Roll! Was als mutiges Projekt unter dem Dach der evangelischen Jugend begann, hat sich zu einem wichtigen Kulturraum entwickelt, der generationsübergreifend begeistert und inspiriert.“
Magdalena Kurth, Evangelisches Jugendwerk
„Dass die Evangelische Jugend seit 40 Jahren einen subkulturellen Ort wie das Immerhin trägt, ist selten – und für mich ein Schatz. Das Immerhin verkörpert für mich die Vision einer Jugendarbeit, die Freiraum schafft und jungen Menschen zutraut, ihre Kultur, Kreativität und Stimme zu entfalten. Das gebotene Programm im Immerhin ist vielfältig und anspruchsvoll, schau doch gerne mal vorbei!“
Francesca Catoni, Immerhin-Team
„Unfassbar - 40 Jahre DIY Kultur! Die Vergangenheit abfeiern, aber vor allem auch in die Zukunft blicken, ist mir persönlich bei diesem Jubiläum sehr wichtig. Ich sehe es als unsere Verantwortung, die Herausforderungen der Veranstaltungsbranche, gerade in Bezug auf Diversität und Inklusion, weiter voranzutreiben, um ein angenehmes und inspirierendes Umfeld für alle unsere Gäste zu kreieren.“
Peter Ott, Immerhin-Team
„Das Immerhin und ich sind eine innige Liebe. Es ist ein Traum, frei im Gestalten von Konzerten, Auflegen und liebevollem Blödsinn zu sein, einen günstigen, niemals austauschbaren DIY-Treff für alle zu machen. Wir zelebrieren Kultur neben dem Mainstream, Populäres und Geld zählen hier wenig, die Nische ist Trumpf. Abgründe wie Faschismus oder Menschenfeindlichkeit lehnen wir ab. Das ist unser Rock ’n’ Roll.“
Susanna Gleixner, Immerhin-Team
„Oh, unser Immerhin, was willste sagen? Es ist Liebe, es ist Wahnsinn, es ist Subkultur, es ist Rock ’n’ Roll. Hier erlebste die verrücktesten Liveshows – beim U&D sogar auf der großartigsten Palettenbühne der Welt! Es erzeugt die großen Gefühle. Es lebt in seiner eigenen Welt und hat trotzdem Platz für alle und das alles immer mit viel Seele und ehrenamtlich von den lieblichsten Leuten gemacht. Auf weitere 40, mein Haus der Sonne! Amore, Deine Susn“
Karl-Heinz „Charly“ Heidenreich, Jazz- und Progressiverockrentner
„Da ich schon lange unmittelbarer Nachbar des Hauses mit der Sonne war, war es nur eine Frage der Zeit, wann ich nach diversen DJ-Einsätzen im Lokalradio und dem AKW mit meinem alternativen Tanzabend im Immerhin landen würde. Im Team war es uns dann auch möglich, diversen Spielarten künstlerischer Subkultur eine Bühne zu bieten, und ich hoffe, dass das mit der Unterstützung der zuständigen Institutionen auch noch lange so bleibt.“
Thomas Funck, Immerhin-Team
„Vor 22 Jahren habe ich das erste Mal ins Immerhin betreten. Dieses subkulturelle Kleinod mit seinen lieben Menschen darin hat mich direkt umarmt und seither nicht mehr losgelassen. Künstler, die einen mitten in Schweden mit den Worten „Hey, you are this Dude from Immerhin“ ansprechen und nun anlässlich des Jubiläums ein Konzert spielen, geben einen Einblick, was dieser Laden so vielen Menschen bedeutet. Für immer Immerhin!“
40 JAHRE IMMERHIN | 24.9., + 26.–28.9.
24.9., 16 Uhr: Jubiläumsempfang mit Sekt und Häppchen – kommt rum und gratuliert!
24.9., 18 Uhr: Meadows (s. Seite 24)
26.9., 18 Uhr: Covergeddon mit Einseinseins, Malm, Blacksmoker, Prying Eyes, Blümerant, Geezers, Naivs, Mount Logan, Clitlicker, The Good Hex, The Rolling Chocolate Band
27.9., 17 Uhr: Jubiläumskonzert mit Baits, Spacechaser Plattenbau, Liiek, NoFuture, Premature Execution
28.9., 16 Uhr: Jubiläumsfreakshow mit Akinetón Retard