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Die Veranstaltungsreihe PRISM steht für queere Clubkultur in Würzburg und wurde 2023 mit dem Preis „Queer sein in Würzburg“ ausgezeichnet. Gegründet wurde das Projekt von DJ und Musikerin Denny Voltage, die bereits 2022 den Jugendkulturförderpreis der Stadt Würzburg erhielt. Seit Kurzem entwickelt sie PRISM gemeinsam mit der Würzburger Designerin und Künstlerin Tanja Oppel weiter. Wir sprachen mit den beiden unter anderem über zukünftige Pläne, queere Sichtbarkeit und die Frage, was einen Raum wirklich sicher macht.
PRISM startete 2022 im Dornheim. Denny, welche Idee von einer queeren Clubnacht hattest du damals im Kopf?
Denny: Ich hatte damals eigentlich schon seit ein paar Jahren mit dem Veranstalten aufgehört. Vorher hatte ich in Würzburg die Techno-Reihe „Avoid the Subject“ in der MS Zufriedenheit gemacht und mich danach voll auf meine DJ-Karriere konzentriert und war viel unterwegs. Dabei habe ich natürlich viel gesehen und erlebt – gerade auch in der queeren Szene. Und genau daraus ist PRISM entstanden: ein queer-positiver Space mit Freiheit, Privatsphäre und Intimität – aber gleichzeitig mit diesem starken Community-Gefühl, dass man aufeinander achtgibt.
Nach der ersten gemeinsamen Phase hast du PRISM vorübergehend allein weitergeführt. Was hat diese Zeit mit dir und dem Projekt gemacht?
Denny: Leider hat Nat, eine Person, die ich sehr schätze und die in der Anfangsphase sehr eng mit mir an PRISM gearbeitet hat, Würzburg verlassen und sich anderen Projekten gewidmet. Als ich PRISM dann komplett allein weitergeführt habe, muss ich ehrlich sagen: Ich habe irgendwann den Spaß daran verloren. Es war einfach zu viel. Neben meinen eigenen DJ-Gigs war ich damals auch noch als Kuratorin im Dornheim tätig – und PRISM war dann quasi noch ein weiterer Side-Hustle. Ich glaube, ich habe in der Zeit auch gemerkt, dass so ein Projekt für mich nur dann funktioniert, wenn es nicht nur Arbeit ist, sondern, wenn ich es mit anderen Menschen gemeinsam aufbaue und diese Energie auch zurückbekomme.
Seit kurzem ist Tanja Co-Host von PRISM. Woher kennt ihr euch und wann war klar, dass ihr PRISM künftig zusammen weiterentwickeln möchtet?
Denny: Tanja kenne ich schon länger, weil sie immer mal wieder bei PRISM mitgearbeitet hat – zum Beispiel bei der T-Shirt-Kollektion oder mit verschiedenen Artworks für Veranstaltungen. Ich habe die Zusammenarbeit mit ihr immer als unglaublich inspirierend und gleichzeitig super professionell erlebt. Irgendwann kam dann der Punkt, an dem ich gemerkt habe: Ich möchte PRISM nicht mehr alleine machen. Und als ich überlegt habe, wer dafür die richtige Person sein könnte, war eigentlich ziemlich schnell klar: Tanja oder niemand.
Tanja: Wir haben uns vor ein paar Jahren auf einer Party über gemeinsame Friends kennengelernt und von da an immer mal wieder zusammengearbeitet. Letzten Herbst hat Denny mich dann gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, bei PRISM mit einzusteigen und Co-Host zu sein. Ich habe dann eine Weile überlegt, aber PRISM ist eine Party, die ich auch selbst in Würzburg nicht missen möchte. So here I am! (lacht)
Die Nächte im Dornheim haben PRISM geprägt und bekannt gemacht. Welche Rolle werden Partys künftig für das Projekt spielen?
Tanja: Musik, queere Subkultur und Community sind das, was wir supporten und feiern wollen, und da sind wir natürlich auch offen für weitere Ideen und Konzepte. Die Partys sind aber unsere Basis und ich habe, offen gestanden, schon auch ein bisschen Bock auf Nightlife. (lacht) Wir wollen unser Konzept in Zukunft aber weiterentwickeln und erweitern und Community-Aktivitäten anbieten und da auch mit anderen Artists, Kollektiven oder Veranstalter*innen zusammenarbeiten. Wir dachten da zum Beispiel an Workshops, Filmabende, Vorträge etc. Und ich bin auch gespannt, ob sich darüber hinaus noch Möglichkeiten ergeben. Im visuellen Bereich habe ich bei PRISM ja auch viel mehr Optionen als bei meinen regulären Jobs. Ich habe auf jeden Fall Lust, mich da auszuprobieren und neue Wege zu gehen!
Denny, du wirst inzwischen weit über Würzburg hinaus als DJ gebucht, betonst aber immer wieder, woher du kommst. Was bedeutet dir die Verbindung zur Stadt?
Denny: Ich betone ja eigentlich immer, dass ich eine Stuttgarterin bin, die irgendwann in Würzburg gelandet ist. (lacht) Aber Würzburg ist für mich trotzdem eine unglaublich wichtige Stadt, weil ich mich hier richtig austoben konnte. Ich habe hier anfangs nicht unbedingt das vorgefunden, was ich gesucht habe – aber dafür unglaublich viel Support. Ich hatte die Möglichkeit, kulturelle Räume und das Nachtleben mitzugestalten und eigene Ideen auszuprobieren. Dafür bin ich wirklich dankbar. Und ich glaube, genau das macht Würzburg auch aus: Die Stadt ist vielleicht nicht riesig, aber wenn du etwas machen willst, kannst du hier tatsächlich etwas bewegen.
Ihr bringt beide eine starke künstlerische Handschrift mit: Musik und Nachtleben auf der einen, bildende Kunst und Design auf der anderen Seite. Was kann daraus bei PRISM entstehen?
Denny: Musik und Kunst liegen für mich voll nah beieinander. Es ist nur quasi wie eine andere Sprache, die das Gleiche ausdrückt – deswegen ist es mega cool, wenn man sich ergänzt.
Tanja: Ja, Denny und ich haben trotz unterschiedlicher Backgrounds einen ähnlichen Vibe und schätzen die Arbeit der anderen sehr. Aus der Kombination von Sound und visueller Sprache – DJing und Clubkultur auf der einen, Design und bildende Kunst auf der anderen Seite – entsteht ein spannender Mix, der ganz neue Perspektiven eröffnet. So können ganz neue Ansätze und Ideen entstehen. Damit wollten wir auch gerne Menschen aus verschiedenen Bereichen zusammenbringen, füreinander begeistern und dadurch neue Impulse für Veranstaltungen und Angebote setzen. So entstehen Synergien zu anderen Projekten, und queere Kultur wird vernetzter, sichtbarer und erlebbarer. Gemeinsam ist so viel mehr möglich!
Queere Ästhetik ist längst in Werbung, Mode und Mainstream angekommen. Wo endet für euch Sichtbarkeit und wo beginnt die kommerzielle Verwertung von Subkultur?
Denny: Ich finde es erstmal großartig, dass queere Kultur in der Popkultur angekommen ist. Gerade für junge Menschen, die ihre eigene Identität suchen, kann das unglaublich wichtig sein: Du siehst queere Lebensrealitäten nicht mehr als Nische, sondern als ganz normalen Teil von Kultur. Und ich glaube, genau da liegt auch eine große Stärke von Mainstream. Kritisch wird es für mich dort, wo queere Menschen aus ihrer eigenen Erzählung ausgeschlossen werden – also wenn am Ende vor allem nicht-queere Menschen mit queeren Geschichten Geld und Erfolg machen.
Tanja: Da bin ich ganz bei Denny! Klar gibt es immer Luft nach oben, aber dass es Queerness in dieser Vielfalt in den Mainstream geschafft hat, finde ich mega. Für mich hat das etwas mit Haltung und Commitment zu tun. Wenn ich als Organisation, Unternehmen oder auch als Privatperson mir Allyship wie ein Label aufklebe und queere Ästhetik nur aus Profit oder Lifestylegründen zeige und dann aber wegschaue, wenn queere Menschen diskriminiert oder in ihren Rechten eingeschränkt werden, dann ist das nicht nur problematisch, weil hier Vertrauen und Sicherheitsgefühl erodieren, sondern auch respektlos, weil Queerness einfach zu einer Art Lifestyleentscheidung degradiert wird und queere Lebensrealitäten ignoriert werden.
„Safe Space“ steht inzwischen auf ziemlich vielen Veranstaltungsflyern. Wann ist ein Raum für euch tatsächlich sicher und wann ist es einfach nur gut gemeintes Marketing?
Denny: Wenn irgendwo pauschal behauptet wird, das sei ein „Safe Space“, ist das für mich ehrlich gesagt zu 100 Prozent Marketing. Ein Raum kann nie für alle Menschen komplett sicher sein. Wenn man schon von „Safe Space“ spricht, ist das deshalb für mich eher ein Warnsignal. Wir sprechen lieber von „Safer Spaces“ – also Räumen, in denen bestmöglich darauf geachtet wird, dass Menschen respektvoll miteinander umgehen, Grenzen akzeptiert werden, Diskriminierung keinen Platz bekommt und man sich gegenseitig unterstützt. Auch bei PRISM ist es immer wieder eine Herausforderung, die richtige Balance zu finden.
Wie kommunizieren wir das, ohne Dinge zu versprechen, die wir nicht garantieren können? Und gleichzeitig: Wie machen wir unsere Veranstaltungen so safe(r) wie möglich? Wir hatten in der Vergangenheit schon mehrere Anläufe mit Awareness-Teams und verschiedenen Awareness-Konzepten. Das Problem ist nur: Das kostet Geld, Ressourcen und vor allem People-Power – und genau die ist bei unabhängigen Projekten wie unserem meistens knapp. Deshalb können wir aktuell vor allem sensibilisieren und die absoluten Basics umsetzen. Das ist nicht perfekt, und das behaupten wir auch nicht. Aber ich finde es ehrlicher, genau das zu sagen, statt sich einfach ein „Safe Space“-Label auf den Flyer zu schreiben. Oder noch schlimmer: ein Awareness-Team, das keines ist.
Tanja: Ich glaube, so ehrlich müssen wir sein: Niemand kann 100-prozentige Sicherheit garantieren. Was man in der Hand hat, ist, wie man kommuniziert. Also wen und welche Gruppen man kontinuierlich und sichtbar supportet, ob Awareness ein Thema ist und ob man sich generell sensibilisiert und offen für solche Themen zeigt. Das hat dann meines Erachtens nach schon mal einen großen Einfluss darauf, welches Publikum sich von einer Veranstaltung angesprochen fühlt und deswegen auch gerne kommt.
Wer einen Raum schafft, entscheidet immer auch darüber, wer darin sichtbar wird. Nach welchen Kriterien wählt ihr DJs, Künstler*innen und weitere Beteiligte aus?
Denny: Wir kennen beide unglaublich viele Menschen in der queeren Musik- und Kunstszene und greifen natürlich oft auf unsere Netzwerke zurück. Gleichzeitig versuchen wir immer wieder, junge Talente zu entdecken und ihnen eine Plattform zu geben. Man muss bei PRISM aber nicht queer sein, um aufzutreten.
Tanja: Genau. Es gibt aktuell in Würzburg ja auch einige junge Kollektive und wir sind total happy, wenn Menschen sich in der Musik- und Kulturszene engagieren und etwas bewegen wollen. Mit solchen Leuten arbeiten wir auch einfach gerne zusammen.
Subkultur braucht neben Räumen und Aufmerksamkeit auch Geld und Menschen, die das Ganze aktiv mitgestalten. Wie kann man euch supporten?
Denny: PRISM finanziert sich im Grunde durch uns beide. Alles, was wir mit dem Projekt verdienen, fließt direkt wieder zurück – wir zahlen uns selbst kaum etwas aus, das wäre aktuell auch gar nicht möglich. Supporten kann man uns vor allem durch Sichtbarkeit: über Gespräche wie hier, indem man unsere Events besucht, uns auf Social Media teilt und mit unseren Inhalten interagiert. Und wenn wir wieder Merch droppen, freuen wir uns auch über jeden Kauf.
Tanja: Ja, wir finanzieren uns aktuell rein über unseren Anteil am Eintritt, den wir natürlich auch für die Community gerne so niedrig wie möglich halten wollen. Also: Kommt zu unseren Veranstaltungen und bringt eure Friends mit!
Instagram: @prismwue | @dennyvoltage | @tanjaoppel