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In Deutschland wird jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von physischer und/oder sexualisierter Gewalt. Dennoch hält sich in vielen Köpfen ein erstaunlich einseitiges Bild der Betroffenen: das der gebrochenen Frau. Das Kunstprojekt „(un)sichtbar“ der Würzburger Künstlerin und Musikerin Viola Petsch zeigt eine andere Perspektive: die von Mut, Stärke, Würde und Schönheit.
Gewalt hat viele Gesichter und begegnet uns überall: in den eigenen vier Wänden, auf der Arbeit, im Internet, sie geschieht im Verborgenen wie in der Öffentlichkeit. Und sie macht keinen Unterschied zwischen sozialen Schichten, Bildungsstand, Einkommen oder Herkunft. Gerade für Frauen ist Gewalt dabei oft mehr als ein einzelnes Ereignis. Sie ist eingebettet in gesellschaftliche Erwartungen, Machtverhältnisse und Rollenbilder, die bestimmen, wie Grenzüberschreitungen wahrgenommen – oder eben relativiert – werden.
Viele Betroffene kämpfen nicht nur mit den unmittelbaren Folgen der Tat, sondern auch mit Zweifeln, Schuldzuschreibungen oder dem stillen Druck, ihr Erleben erklären zu müssen. Eine Frau, die Gewalt erfahren hat, wird oft als schwach und zerbrechlich wahrgenommen. Das Trauma steht im Vordergrund, während der Mensch dahinter vergessen wird.
Genau hier setzt „(un)sichtbar“ an. In ihrem Herzensprojekt porträtierte Viola Petsch seit März 2025 12 Frauen mit lokalem Bezug zu Würzburg, die emotionale, physische oder sexuelle Gewalt erlebt haben. Entstanden sind dabei jeweils figurative und abstrakte Arbeiten, insgesamt 24 Porträts, die am 8. März, dem Internationalen Frauentag, erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden. Die Werke zeigen die starken, schönen, unabhängigen Frauen hinter dem Leid, das ihnen widerfahren ist.
Frauen, die nicht nur Überlebende sind, sondern weiterhin Freundinnen, Mütter, Künstlerinnen, Träumerinnen. Gestalterinnen ihres eigenen Lebens. „Wir sind keine schwachen, grauen und unsichtbaren Opfer“, sagt Viola Petsch. „Wir sind so viel mehr als unser Schmerz und unser Trauma. Wir sind bunt.“ Diese Botschaft zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Projekt, das von Vertrauen, Achtsamkeit und Respekt geprägt ist.
Den teilnehmenden Frauen wird ein geschützter Raum geboten, in dem sie sich zeigen können, wie sie sich selbst wahrnehmen und gesehen werden wollen. Es geht nicht nur darum, das Unsichtbare sichtbar zu machen, das oft verharmlost, verdrängt oder gar verschwiegen wird. Das Projekt will Bewusstsein schaffen, gesellschaftliche Tabus brechen, die Selbstbestimmung stärken und das Bild von Frauen verändern, die Gewalt überlebt haben.
„Ich möchte den Frauen ihre eigene Schönheit zeigen“, so Petsch. Damit öffnet die Künstlerin einen Raum, in dem Mut und Verletzlichkeit, Erinnerung und Selbstbehauptung nebeneinander existieren können. Mit dem klaren Blick auf Stärke, Würde und individuelle Ausdruckskraft eröffnet „(un)sichtbar“ neue Perspektiven auf Überlebensgeschichten und fordert das einseitige Bild der gebrochenen Frau heraus.
Begleitet wird die Vernissage von einem Live-Auftritt mit circle&wind, dem Musikprojekt von Viola Petsch, bei dem sie eigene Songs präsentiert. Songs, in denen sie ihre persönliche Geschichte verarbeitet und ihr – ebenso wie in der Malerei – eine Stimme verleiht. Unterstützt wird das Projekt durch die enge Zusammenarbeit mit Wildwasser Würzburg e.V., einer Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt. Zur Ausstellung erscheint ein begleitender Bildband.
Die Ausstellung ist vom 8. März bis zum 2. April in der Sektkellerei Höfer in der Frankfurter Str. 87 zu sehen. Die Vernissage findet am 8. März von 15 bis 19 Uhr statt.