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© VG Bild-Kunst Bonn 2026, Foto: Jens Ziehe
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© VG Bild-Kunst Bonn 2026, Foto: Jens Ziehe
Thomas Bayrle zählt zu den wichtigsten Vertretern der deutschen Pop-Art. Das Museum im Kulturspeicher widmet ihm nun eine umfassende Einzelausstellung, in deren Mittelpunkt Werke stehen, die sich mit urbanen und ländlichen Lebensräumen sowie mit Verkehr und Mobilität auseinandersetzen.
Der Ausstellungstitel ist Programm: Thomas Bayrles Bilder kreisen um Stadtgefüge, Verkehrsadern und die Dynamik moderner Mobilität. Würzburg dient dabei als Resonanzraum. Die Stadt wurde nach ihrer nahezu vollständigen Zerstörung am Ende des Zweiten Weltkrieges modern wiederaufgebaut, wobei die mittelalterliche, labyrinthartige Struktur weitgehend erhalten blieb. Zugleich ist Würzburg landwirtschaftlich geprägt und mit großstädtischen Infrastrukturen ausgestattet. Die Verdichtung der Stadt wird dabei zum visuellen Echo von Bayrles serieller Bildsprache: Seine dichten Bildräume erinnern an Würzburgs enge Strukturen und machen sichtbar, wie sich hier aktuelle Diskurse zu Stadt-Land-Verhältnissen und Fragen nach Mobilität bündeln.
Nach einer Ausbildung zum Musterzeichner und Weber studierte Bayrle an der Werkkunstschule in Offenbach und arbeitete in Frankfurt als Verleger und Drucker. Vor diesem biografischen Hintergrund entwickelte er ab den späten 1960er-Jahren seine unverwechselbare künstlerische Handschrift: serielle Bildprozesse. Ein einzelnes Motiv wird vervielfältigt, rhythmisch angeordnet und verdichtet sich zu einem übergeordneten Gesamtbild. Diese „Superformen“ erzeugen visuelle Irritationen: Aus der Nähe zerfällt das Bild in repetitive Einheiten, aus der Distanz formt sich eine klare Figur. Mit dieser Disziplinierung des kreativen Prozesses rückt Bayrle in die Nähe der Konkreten Kunst, die im MiK ebenfalls ein Zuhause hat.
In seinem frühen Werk griff Bayrle Werbeästhetik und Konsumwelten auf und etablierte sich damit als Pop-Art-Künstler. Seit den 80er Jahren nutzte er als einer der ersten Künstler in Deutschland die digitale Bildverarbeitung; zudem entstanden Videoarbeiten zum Autoverkehr sowie Skulpturen aus automobilen Materialien. Jüngere Arbeiten zeigen religiöse Motive, die Bayrle ebenfalls in serielle Strukturen überführt. Die Ausstellung begleitet ein umfangreiches Vermittlungs- und Veranstaltungsprogramm für Erwachsene, Kinder und Familien.