© Simon Fischer
Kunst beginnt bei Simon Fischer oft dort, wo andere achtlos vorbeigehen. Eine lose Bodenplatte, ein Handlauf oder ein abgenutzter Türkeil reichen aus, um seine Aufmerksamkeit zu wecken. Während seiner dreiwöchigen Residency auf der Arte Noah durchstreift er den urbanen Raum – mit der Handykamera in der Tasche und einem geschärften Blick für jene Details des Alltags, die meist unbeachtet bleiben.
Dabei geht es Fischer nicht um das bloße Sammeln von Fundstücken. Seine Arbeiten entstehen aus Begegnungen. Entdeckt er einen Türkeil, der ihn interessiert, klingelt er mitunter an der entsprechenden Tür und unterbreitet den Bewohnerinnen und Bewohnern ein ungewöhnliches Angebot: Er tauscht den gebrauchten Keil gegen einen neuen aus dem Baumarkt. Was zunächst irritiert, wird schnell zum Gespräch über Kunst, Gebrauch und den Wert alltäglicher Dinge.
Wenn die Kunst zu den Menschen kommt
Jeder Türkeil erzählt von seinem Einsatzort: von der Architektur, den Materialien, den Spuren der Zeit. Größe, Form und Abnutzung entstehen nicht zufällig, sondern im Zusammenspiel mit der Tür, die sie offenhalten. Genau dieses Verhältnis interessiert den Künstler. Der gebrauchte Keil wird zum Dokument eines Ortes – und zugleich zum Ausgangspunkt eines Austauschs. Spannend ist dabei die Umkehrung klassischer Ausstellungslogik. Nicht das Publikum kommt zur Kunst, sondern die Kunst sucht ihr Publikum auf. Fischer begegnet Menschen in ihrem Alltag und macht sie zu Mitwirkenden seiner Arbeit.
Spuren einer Stadt
Die getauschten Türkeile werden beim open studio auf der Arte Noah präsentiert. Dort erzählen sie nicht nur von den Orten, an denen sie einst ihren Zweck erfüllten, sondern auch von den Begegnungen, die sie ermöglicht haben. Aus alltäglichen Gegenständen werden Erinnerungsstücke eines künstlerischen Prozesses. Simon Fischer, 2022 Meisterschüler von Leni Hoffmann an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, war bereits in Städten wie Chicago, Istanbul, Tianjin und Ouagadougou tätig. 2027 führt ihn sein Weg an die Cité Internationale des Arts in Paris.
Veranstaltungen auf der Arte Noah
Am 19. August um 19 Uhr ist Simon Fischer auf der Arte Noah zu Gast, um in einem Werkvortrag die Pläne seiner Residency vorzustellen. Gezeigt werden die Fundstücke dann beim open studio am 27. August von 15 bis 20 Uhr und bei der Abschlusspräsentation am 4. September um 17 Uhr.