Lena Schramm katapultiert den Alltag in die Kunst – und stellt ihn dort auf den Kopf. In ihrer ersten musealen Einzelausstellung im Museum im Kulturspeicher mit dem herrlich sperrigen Titel „Fröhliche Freizeit und gute Laune durch Freude am Selbermachen“ entfaltet sie ein Universum, das zwischen Pop-Ästhetik, Alltagskultur und ironischer Kritik changiert.
Schramm greift Bildwelten auf, die sonst im Vorbeigehen konsumiert werden: Kaugummi-Abziehbilder, Ecstasy-Logos, Aufnäher, Werbecharms. Dabei geht es nie um Nostalgie, sondern um feine gesellschaftliche Kommentare im Bonbonpapierkostüm. In Würzburg widmet sie sich erstmals der Weinkultur und hat dafür sogar selbst Reben angebaut. Dieses Prinzip des „Selbermachens“, das bewusst zwischen Dilettantismus und Professionalität oszilliert, prägt ihr Schaffen.
In Raum 1 begegnen Besucherinnen und Besucher neuen Arbeiten der vergangenen zwei Jahre: etwa der Skulptur „Unreife“, einer monumentalen abgenagten Traubenrispe, die das Verlangen nach ewiger Jugend thematisiert. Oder „Zyklopin“ – ein Motorroller, umgebaut zur mobilen Weinbar mit Videoperformance. Raum 2 erweitert den Blick und führt tiefer in ihr Universum der „kleinen Dinge“:
Schramms Bildfolge „Ecstasy“ reflektiert Konsumästhetik im Drogenrausch, während Werke wie „Hubbabubba“ oder „Schwemme“ Alltagsobjekten eine monumentale Dimension verleihen. Doch hinter der farbigen Oberfläche lauert der Ernst: Der „fröhliche“ Vulkanausbruch im Gemälde „Doppelte Verneinung“ entpuppt sich als Atompilz. So schärft Lena Schramm mit Humor und Ironie den Blick für die Absurditäten unserer Gegenwart und zeigt, dass Kunst selbst im Kleinsten gesellschaftliche Brisanz entfalten kann.