© Hubert Greiff
„Nach oben buckeln, nach unten treten“ – kaum ein Satz beschreibt den Charakter von Diederich Hessling und die Gesellschaft in „Der Untertan“ treffender. Heinrich Mann zeichnet das Bild eines opportunistischen Bürgers, der Autoritäten blind gehorcht und zugleich Schwächere unterdrückt. Der Roman begleitet Hesslings Lebensweg vom angepassten Schüler über den ehrgeizigen Studenten bis hin zum einflussreichen Fabrikanten und lokalen Machtträger.
Im Theater Ensemble wird „Der Untertan“ aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet: einer feministischen, einer deutschen und einer migrantischen. Drei Sprachen – Deutsch, Ukrainisch und Türkisch – prägen die Inszenierung und schaffen bewusst Momente des Nicht-Verstehens. Dabei zeigt sich, wie schnell Ordnung entstehen kann und wie verführerisch es ist, sich ihr anzupassen. Hessling erscheint so nicht als Einzelfigur, sondern als Haltung. Am Ende steht die Frage: Sind wir nicht alle ein bisschen Diederich?