© Hermann Drexler
Wenn Dienstmädchen den englischen Landadel aufmischen, fliegen die Konventionen tief. Das Chambinzky Freilichttheater bringt Isobel McArthurs Musiktheaterkomödie „Stolz und Vorurteil – oder so“ auf den Zobelhof. Statt steifer Teegesellschaften erwartet das Publikum ein popgeladenes Spektakel, das Jane Austens Klassiker radikal entstaubt.
Fünf Dienstmädchen verkörpern in einem rasanten Rollenkarussell nahezu das gesamte Figurenensemble des Kultromans. Aus feinen Konversationen werden scharfzüngige Wortgefechte, aus höfischer Etikette purer Slapstick. Das Ergebnis pendelt irgendwo zwischen „Bridgerton“, „Downton Abbey“ und Karaoke-Party unter freiem Himmel. Live gesungene Popsongs der letzten Jahrzehnte liefern den emotionalen Soundtrack für Beziehungskisten, Selbstbestimmung und den Kampf gegen das gesellschaftliche Korsett.
Besonders die scharfzüngige Elizabeth Bennet lässt so manche männliche Allmachtsfantasie eiskalt platzen. Unter der Regie von Hermann Drexler, mit musikalischer Leitung von Angela Leupold und Choreografie von Claudia Bienek, entsteht ein energiegeladenes Open-Air-Format, das nicht nur Austen-Fans begeistert. Christina von Golitschek, Anne Hansen, Emilia Heid, Angela Leupold/Angelina Gerhardt und Annette Patrzek/Sonja Schaff wechseln dabei in höchstem Tempo zwischen Rollen, Stimmen und Perspektiven und erzählen eine moderne Geschichte über weibliche Selbstermächtigung und gesellschaftliche Abhängigkeiten.
Gespielt wird immer mittwochs bis sonntags um 19.30 Uhr. Tickets sind über die Webseite erhältlich.