© Nik Schoelzel
Patrick Süskinds „Der Kontrabass“ zeichnet mit schneidender Präzision das Innenleben eines Musikers, der zwischen Verehrung und Verachtung schwankt. Der namenlose Protagonist preist sein Instrument als Herz und Halt des Orchesters, doch mit steigendem Alkoholpegel brechen die verdrängten Gefühle hervor: Wut auf den „Dreckskasten“, Frust über die eigene Unsichtbarkeit, die ungestillte Sehnsucht nach der Sopranistin Sarah.
Süskind entfaltet ein eindringliches Psychogramm eines Mannes, der nie spielen durfte, was er wirklich fühlt. Die ironisch gebrochene Musikerbeichte verwandelt sich nach und nach in eine Meditation über Einsamkeit und unterdrückte Leidenschaft. Der Kontrabass wird zur Metapher für die Lasten, die man mit sich trägt, bis sie jeden Klang ersticken. Mit feinem Humor und messerscharfer Beobachtung zeigt Süskind, wie nah Abgrund und Alltag beieinanderliegen.