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Seit zehn Jahren bringt Teresita Seib mit ihrer Kunstgalerie zeitgenössische Kunst nach Würzburg. Was zunächst als Fotogalerie begann, ist heute ein fester Bestandteil der lokalen Kunstszene. Im Interview blickt die Galeristin auf besondere Begegnungen und mutige Entscheidungen zurück und erzählt, was sie bis heute antreibt.
Deine Galerie feiert ihr zehnjähriges Bestehen. Mit welchem Gefühl blickst du heute auf die Anfänge zurück?
Ich kann es selbst kaum fassen. Zehn Jahre hören sich verdammt lang an, aber vom Gefühl her überhaupt nicht. Gleichzeitig kann ich mich noch gut an meine Anfangszeit erinnern. Ich war neu in der Kunstbranche und neu als Unternehmerin in Würzburg. Bis dahin hatte ich Würzburg vor allem privat erlebt, vom Weggehen und Ausgehen, weniger aus beruflicher Sicht. Ich kam nach mehr als zehn Jahren in der Modebranche zurück nach Würzburg. Dort hatte ich für verschiedene Labels in Führungspositionen gearbeitet, unter anderem für Baldessarini, Michael Kors, Tom Tailor, Zara und Burberry, sowohl im Retail als auch im Wholesale, also im Einzel- und Großhandel. Von Kinder-, Damen- und Herrenbekleidung über Accessoires bis hin zur Messearbeit habe ich viele Bereiche kennengelernt.
Durch die Mode war ich außerdem viel in unterschiedlichen Städten in Deutschland unterwegs. Aus gesundheitlichen Gründen habe ich der Modebranche schließlich den Rücken gekehrt und mich darauf besonnen, was ich künftig machen möchte. Daraus entstand zunächst die Idee, eine Fotogalerie zu eröffnen. Diese Idee hat sich im Laufe der Jahre zu einer Kunstgalerie entwickelt. Gestartet ist mein Unternehmen unter dem Namen TERESITA SEIB – FOTOGALERIE, heute heißt es KUNSTGALERIE SEIB. Vor zwei Jahren habe ich auch mein Logo entsprechend angepasst.
Im ursprünglichen Schriftzug stand mein Name im Mittelpunkt, getrennt durch ein schräg gestelltes Quadrat mit den Begriffen Foto, Kunst und Galerie. Das neue Logo zeigt das Quadrat dreidimensional, wobei „Kunstgalerie“ nun an erster Stelle steht. Farben und Schrift sind gleich geblieben, um die Verbindung zum ursprünglichen Logo zu erhalten. Die heutige Kunstgalerie ist letztendlich eine Verbindung meiner verschiedenen beruflichen Erfahrungen und Ausbildungen: Produktdesignerin für Glas, Fremdsprachenkorrespondentin für Englisch und Italienisch sowie Betriebswirtin für Textil- und Personalmanagement.
Was hat sich in den Jahren besonders verändert – bei dir persönlich, in deiner Arbeit und auch in der Würzburger Kunstszene?
Das Netzwerken habe ich von Anfang an sehr intensiv betrieben. Sei es bei den ersten Offline-Netzwerktreffen von Xing, beim Stadtmarketing, bei den Netzwerktreffen für Selbstständige im Mondelli-Studio bei Regina Hahn, im Würzburger Kunstverein, im Dachverband freier Würzburger Kulturträger, bei Female Foyer, einem Netzwerk nur für selbstständige Frauen, oder bei BNI – um nur einige zu nennen. Ich habe mich auch ehrenamtlich sehr engagiert, um mehr Kontakte zu knüpfen, sei es im Stadtmarketing als Kassenprüferin, im Kunstverein als Referentin und im Dachverband freier Würzburger Kulturträger als Beisitzerin. Diese Intensität des Netzwerkens hat mich als Person und vor allem als Marke sehr vorangebracht.
All das bedeutet aber auch Investition in Zeit – auch private Zeit. Am Anfang dachte ich, ich müsste überall dabei sein, um Präsenz zu zeigen, was sich schlussendlich auch ausgezahlt hat. Über das Stadtmarketing habe ich Impulse erhalten, an Projekten der Eigenvermarktung teilzunehmen und für mich auszuprobieren, was für mein Unternehmen funktioniert und was nicht. Nach zehn Jahren bin ich jetzt in der Position, das ein oder andere Ehrenamt abzugeben und auch das eine oder andere Netzwerk zu verlassen. Ich möchte diese Zeit nicht missen, aber in der Zukunft will ich wieder mehr Zeit für mich haben. In den zehn Jahren haben sich auch private Umstände geändert. Ich bin außerdem der festen Überzeugung, eine Bereicherung für die Würzburger Kunstszene zu sein. Ich setze hauptsächlich auf regionale Künstler. Ich selbst bin hier sehr verwurzelt und habe durch das Netzwerken viele Künstler kennengelernt, die es zu präsentieren lohnt.
Privat hat sich mein Alltag ebenfalls verändert: Ich bin seit 2021 Hunde-Mama. Da richtet man seinen Lebens- und Arbeitsalltag unter anderem auch nach dem Hund. Als Selbständige habe ich den Luxus, dies auch mehr zu tun. Ich verbringe meine Mittagspausen mit meinem Hund im Park, das bringt mir auch Abwechslung in den Arbeitstag. Das heißt auch: Statt mich am Wochenende einem Ehrenamt oder einem Netzwerk zu widmen, fahre ich mit meinem Hund lieber mit dem Wohnmobil an einen See und tanke dort neue Energie für meinen Arbeitsalltag.
Gab es in dieser Zeit Ausstellungen, Begegnungen oder Momente, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind?
Zwei Künstler, deren Ausstellungen ich bereits vorbereitete, verstarben noch vor der Eröffnung. Dennoch haben wir die Ausstellungen im Namen der Künstler realisiert. Bei Walter Prahl, einem der beiden Künstler aus München, war leider die Familie bei der Vernissage nicht dabei. Bei Wolfgang Feichtinger aus Bad Kissingen kamen dagegen nicht nur Familie und Freunde, sondern auch Arbeitskollegen und Weggefährten. Beide Ausstellungseröffnungen waren sehr würdevoll. Meine dritte sehr eindrucksvolle Begegnung war mit Kevin Wilczewski, einem jungen Würzburger Maler. Ich hatte seine Werke 2019 im Chambinzky gesehen. Mich beeindruckte, wie er seine Porträts auf zwei bis drei Farben reduzierte und ihnen trotzdem eine enorme Dreidimensionalität verlieh.
Über Social Media nahm ich Kontakt zu ihm auf und fragte, ob er sich eine Ausstellung bei mir vorstellen könnte. Ich hätte nicht gedacht, dass er zusagt. Seine Arbeiten hatten für mich schon damals Großstadt-Niveau, und ich war mir nicht sicher, ob meine Galerie das passende Umfeld für ihn sein würde. Wir hatten aber schnell einen sehr guten Draht zueinander, und 2021 stellte er dann bei mir aus. Bis heute verbindet uns eine Freundschaft. Mittlerweile stellt er deutschlandweit aus. Ich beobachte seinen Weg mit großer Neugier und auch mit Stolz, einen solchen aufstrebenden Künstler schon früh in meiner Galerie gezeigt zu haben.
Du kuratierst dein Jahresprogramm selbst und planst deine Ausstellungen lange im Voraus. Wonach wählst du die Künstlerinnen und Künstler aus?
Mich interessieren vor allem außergewöhnliche Materialien, mit denen Künstlerinnen und Künstler arbeiten, aber auch die Art und Weise, wie sie sich ausdrücken, also ihre jeweilige Technik. Gleichzeitig frage ich mich immer, ob die Arbeiten mein Kundenklientel beziehungsweise Publikum ansprechen würden. Letztendlich handelt es sich immer um Verkaufsausstellungen, bei denen natürlich auch ein kommerzieller Gedanke dahintersteht. Ich stelle die Kunst nicht nur aus, sondern verkaufe sie auch im Namen der Künstler. Die Arbeiten sind für vier bis acht Wochen physisch bei mir in der Galerie und gleichzeitig online zu sehen. Danach wird die Ausstellung abgebaut und auch digital offline genommen. Außer, die Künstler wünschen eine weiterlaufende Onlinepräsenz in meiner Onlinegalerie auf der Website.
Du erhältst regelmäßig Bewerbungen von Künstlerinnen und Künstlern. Was sollte jemand mitbringen, damit du neugierig auf die Person und ihre Arbeiten wirst?
Zunächst einmal Geduld – ich bin für zwei Jahre ausgebucht. Das ist für mich als Galeristin natürlich toll, bedeutet für Künstlerinnen und Künstler, die möglichst spontan noch im selben Jahr ausstellen möchten, aber wenig Flexibilität. Es ist zwar immer schön, von Künstlern zu wissen, die kurzfristig einspringen könnten, wenn jemand absagt. Allerdings stehen auf meiner Warteliste bereits Künstler, die für die kommenden zwei Jahre vorgemerkt sind, und die kann ich nicht einfach überspringen. Dafür fehlt manchmal das Verständnis.
Ansonsten sind es, wie bereits erwähnt, außergewöhnliche Materialien, Motive oder Techniken, die meinen Blick auf einem Kunstwerk ruhen lassen. Auch die persönliche Chemie muss stimmen, denn ich arbeite mindestens ein Jahr vor der Ausstellung eng mit den Künstlerinnen und Künstlern zusammen. Wenn das persönliche Miteinander nicht passt, erteile ich auch eine Absage. Genauso lehne ich Kunst ab, die ich hier nicht vermarkten kann. Ich habe einen gewissen Anspruch an die Künstler, mit denen ich arbeite, denn auch mein Publikum erwartet eine hohe Qualität der ausgestellten Kunst.
Wie hat sich das Publikum in den vergangenen Jahren verändert? Nimmst du heute ein anderes Interesse an Kunst wahr als zu Beginn?
Grundsätzlich verändert sich mein Publikum von Ausstellung zu Ausstellung. Das ergibt sich schon aus dem weitgefächerten Angebot, das ich im Laufe eines Jahres präsentiere. Zu Beginn gab es durchaus den ein oder anderen, der mich und meine Galerie belächelt hat – typisch fränkisch eben. Hin und wieder musste ich mir auch herabwürdigende Kommentare anhören: „Wie kann man sich als Frau in der Kunst selbstständig machen? Die ist nach ein, zwei Jahren sowieso wieder weg.“ Um nur einige Beispiele zu nennen. Mittlerweile bekomme ich solche Kommentare kaum noch zu hören. Stattdessen wird meine fachliche Meinung wirklich geschätzt und auch gezielt nachgefragt.
Was möchtest du Menschen sagen, die bisher nur selten eine Galerie besucht haben oder glauben, zeitgenössische Kunst sei „nichts für sie“?
Ja, das kenne ich nur zu gut. Ich habe immer wieder „Neulinge“ in der Kunst, die in meiner Galerie landen. Die Berührungsängste, die sie mir gegenüber immer wieder ansprechen, bestehen vor allem darin, dass sie „nichts mit Kunst am Hut haben“ und keine Vorbildung in diesem Metier besitzen. Viele Besucher fühlen sich außerdem unter Druck gesetzt, Kunst kaufen zu müssen, sobald sie eine Galerie betreten. Klar lebt eine Galerie vom Kunstverkauf, das ist schließlich meine Hauptaufgabe. Aber im Austausch mit mir merken die Besucher schnell, dass es zunächst einmal nicht wichtig ist, eine sogenannte Vorbildung in Kunst zu haben.
Ich erkläre und philosophiere gerne mit den Besuchern darüber, was sie in einem Kunstwerk sehen und wie sie es für sich interpretieren. Viele gehen danach sogar mit dem Vorsatz, sich auch einmal andere Galerien anzuschauen. Ihre Vorurteile und Berührungsängste sind dann ein Stück weit genommen. Nichts ist schlimmer, als sich elitär zu geben und sich seinem Publikum zu verschließen. Kunst muss nicht unbedingt gefallen. Sie sollte etwas in einem bewegen und dazu anregen, sich damit auseinanderzusetzen. Und der erste Schritt ist getan, wenn man eine Galerie betritt.
Wenn du die vergangenen zehn Jahre in drei Worten zusammenfassen müsstest: Welche wären das?
Mut, Ausdauer, Leidenschaft
Was wünschst du dir für die Zukunft und welche Vision hast du für deine Galerie?
Ich wünsche mir, dass die Neugier der Besucher und Interessenten auf Kunst nicht abbricht. Und natürlich freue ich mich weiterhin über interessante Bewerbungen von Künstlerinnen und Künstlern für zukünftige Ausstellungen. Gleichzeitig möchte ich weiter an meinem Bekanntheitsgrad und den der Künstler und Künstlerinn arbeiten. Ich habe immer noch Besucher aus Würzburg und der Region, die meine Galerie zum ersten Mal betreten und denken, sie hätte gerade erst eröffnet. Durch die Plakatierung jeder einzelnen Ausstellung konnte ich meine Sichtbarkeit schon ein Stück weit erhöhen. Auch künftig werde ich sowohl im Printbereich als auch digital verstärkter präsent sein. Die Mischung aus beiden Werbewegen bringt mir dabei klare Vorteile.
Kunstgalerie Teresita Seib, Neubaustr. 22, Würzburg, www.kunstgalerie-seib.de