© Thost-Hauser GbR
Nach 50 Jahren unter der Leitung der Familie Relin hat das Künstlerehepaar Katja Thost-Hauser und Christian Peter Hauser das Torturm-Theater in Sommerhausen übernommen. Am 17. April eröffnen sie ihre erste Spielzeit mit der Uraufführung von „Die letzte Beichte“ von Stephan Eckel. Wir sprachen mit den neuen Intendanten über ihre Pläne zwischen Bewahren und Erneuern und darüber, wie sie das Theater künstlerisch prägen wollen.
Die Übernahme Ihrer Intendanz kam recht kurzfristig zustande. Was hat Sie motiviert und was fasziniert Sie am Torturm-Theater?
Die Chance, in einen gewachsenen Ort mit Geschichte einzutreten und ihn aus dem Moment heraus weiterzudenken. Uns hat besonders die Nähe zum Publikum fasziniert – das Torturm-Theater ist kein anonymer Raum, sondern ein Ort der unmittelbaren Begegnung. Diese Intimität erzeugt eine besondere Verantwortung, aber auch eine große künstlerische Freiheit. Motivation ist für uns, diese Energie aufzunehmen und mit neuen Impulsen zu verbinden, ohne das Bestehende zu übergehen.
Welche Aspekte der bisherigen Theatertradition wollen Sie bewahren – und wie möchten Sie das Haus künstlerisch weiterentwickeln?
Wir sehen die Tradition des Hauses vor allem in seiner Klarheit: ein Fokus auf Schauspiel, auf Sprache, auf die Kraft der Darstellerinnen und Darsteller. Diese Konzentration möchten wir unbedingt bewahren. Gleichzeitig geht es uns darum, den Blick zu öffnen – thematisch wie formal. Das kann bedeuten, auch Stücke mit purem Unterhaltungscharakter zu zeigen oder klassische Stoffe neu zu befragen. Wichtig ist uns eine Balance: Das Publikum soll Vertrautes wiederfinden, aber auch überrascht werden und vor allem eines: es darf sich nie langweilen!
Welche Art von Stücken möchten Sie künftig auf die Bühne bringen, und wie spiegelt sich diese Ausrichtung in Ihrer Premiere „Die letzte Beichte“ wider?
„Die letzte Beichte“, unsere Uraufführung von Stephan Eckel, ist ein Kammerspiel, das stark von Spannung und psychologischer Tiefe, aber auch von Humor lebt. Es geht um Schuld, Wahrheit und die Grenzen von Gewissheit – Themen, die zeitlos sind, aber heute eine neue Dringlichkeit haben. Solche Stücke passen gut zum Raum des Theaters, weil sie die Nähe zum Publikum nutzen und eine intensive Atmosphäre schaffen.
Welche Veränderungen planen Sie am Theater selbst – von der Ausstattung über die Technik bis zum Spielraum – um das Besuchserlebnis noch ansprechender zu gestalten?
Uns geht es um gezielte Verbesserungen. Entscheidend für unsere Übernahme war die Zusicherung der Gemeinde Sommerhausen, dass die Sitzplatzsituation verbessert wird. Wir werden 49 gepolsterte Sitze mit Rückenlehne haben. Durch die Zusammenarbeit mit www.reservix.de kann das Publikum online, aber auch bei den Vorverkaufsstellen, die Plätze buchen. Licht und Ton spielen eine entscheidende Rolle für die Wirkung einer Inszenierung, hier werden wir technisch auf den neuesten Stand kommen. Gleichzeitig interessiert uns der Spielraum selbst: wie können wir ihn flexibler nutzen, vielleicht auch ungewohnte Perspektiven ermöglichen? Auch im Foyerbereich planen wir kleinere Veränderungen, die den Aufenthalt angenehmer machen und das Theater stärker als sozialen Ort erfahrbar machen.
Sie arbeiten seit vielen Jahren als Künstlerpaar zusammen. Wie koordinieren Sie kreative Entscheidungen und organisatorische Aufgaben?
Unsere Zusammenarbeit basiert auf Vertrauen und klarer Kommunikation. Künstlerisch kamen wir aus unterschiedlichen Richtungen und haben über die Jahre eine gemeinsame Sprache entwickelt. Organisatorisch haben wir eine klare Aufgabenteilung, aber auch die Bereitschaft, flexibel zu bleiben. Letztlich ist es ein ständiges Austarieren zwischen gemeinsamer Vision und individueller Verantwortung.
Wo sehen Sie das Torturm-Theater in fünf Jahren – sowohl künstlerisch als auch in der Einbindung der Menschen vor Ort?
Wir wünschen uns, dass das Torturm-Theater in fünf Jahren als lebendiger Bestandteil von Sommerhausen wahrgenommen wird – als Ort, an dem man nicht nur Vorstellungen besucht, sondern sich austauscht. Künstlerisch sehen wir ein Profil, das für Qualität und Mut steht: ein Haus, das sich etwas traut, ohne seine Wurzeln zu verlieren. Wichtig ist uns auch die Einbindung unterschiedlicher Generationen – dass sowohl langjährige Besucherinnen und Besucher als auch neues Publikum sich angesprochen fühlen.
Torturm-Theater, Hauptstr. 1, Sommerhausen