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© Pia Keller
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Mit „Auftauchen“ veröffentlichte die Würzburger Musikerin aennies am 17. Juli ihre Debüt-EP. Nach der Pop RLP Masterclass und dem Gewinn des Preises für junge Kultur Würzburg Anfang des Jahres ist sie damit den nächsten Schritt mit ihrem unabhängigen Indie-Pop-Projekt gegangen. Wir sprachen mit ihr über die Entstehung der EP, Musik als Form der Bewältigung und kreatives Arbeiten ohne Label.
Du beschreibst „Auftauchen“ als den Moment, in dem der Druck nachlässt und man wieder Luft bekommt. Wann hast du gemerkt, dass genau dieses Gefühl zum roten Faden deiner EP geworden ist?
In der Vorbereitungsphase jedes einzelnen Releases merke ich das immer wieder aufs Neue. In jedem Song versuche ich, ein anderes Thema zu bearbeiten. Das Schreiben ist für mich eine Bewältigungsstrategie, um mit dem Leben umzugehen. So ist jeder Song für eine andere Thematik ein eigenes Wieder-Klarkommen oder „Auftauchen“.
Viele unserer Leserinnen und Leser lernen dich mit der EP vielleicht gerade erst kennen. Wie hat deine Reise zur Musik begonnen?
Meine Reise zur Musik hat in der vierten Klasse angefangen, als ich mit meiner besten Freundin den Hit „Freunde sind das Allerbeste!“ geschrieben habe. Tatsächlich habe ich es da schon geliebt, Gitarre zu spielen und zu singen. Mit der Zeit wurde alles professioneller, aber im Grunde genommen ist das heute noch der Kern des Ganzen.
Mit der Pop RLP Masterclass, dem Preis für junge Kultur Würzburg und deiner Debüt-EP hast du in kurzer Zeit viel erreicht. Gab es einen Moment, in dem dir bewusst wurde: Mit aennies entsteht gerade etwas Größeres?
Das ist eine schwierige Frage, weil es ebenso ein kontinuierlicher Prozess ist. Meine Aha-Momente liegen häufiger in der Musik selbst. Wenn wir zusammen Musik machen, im Trio oder in der Band, dann kann man die Magie richtig greifen! Das sind die Momente, in denen ich immer wieder spüren darf, wie groß das ist, was wir gemeinsam machen.
Deine EP ist in Eigenregie entstanden. Welche Herausforderungen – und Freiheiten – bringt es mit sich, Musik unabhängig zu produzieren?
Eine EP selbst aufzunehmen und zu releasen erfordert unglaublich viel Geduld und das Annehmen, unterwegs viel zu lernen. Das soll keine Beschönigung sein, man erfährt einfach total viel über Aufnahme- und Veröffentlichungsprozesse und die eigene Arbeitsweise. Und vor allem braucht man ein unglaubliches Team, das an die Mission glaubt und diesen Weg mit einem geht. Und die Mühe lohnt sich: die Freiheiten, die das mit sich bringt, sind wundervoll! Kreativ redet uns niemand rein. Wir müssen das nie für irgendwelche Klicks machen und das kann man in der EP hören.
Gibt es einen Song auf der EP, der dir besonders nahegeht oder dessen Entstehung dich am meisten gefordert hat?
„Am Ende“ hat unglaublich lange gedauert und uns total gefordert. Wir saßen insgesamt über einen Zeitraum von circa zwei Jahren an der perfekten Version. Hört sich verrückt an, aber ich glaube, das war es wert. Es ist ein Song wie ein ganzer Kinofilm geworden. Und ich liebe auch seine Message, die brauche ich persönlich auch gerade sehr: „Am Ende wird es leicht sein, ich hoffe, du weißt das, hoff’, du weißt, dass ich bleib.“
In deinen Songs liegen Melancholie und Hoffnung oft nah beieinander. Spiegelt das auch deine Sicht aufs Leben wider?
Auf jeden Fall! Das Leben ist so krass und unsere Welt ist es gerade auch. Trotzdem liegt es bei uns allen, nie die Hoffnung zu verlieren und nie zu vergessen, all die magischen Begegnungen und schönen Seiten des Lebens zu sehen.
Welche Rolle spielt Würzburg für deine Musik? Gibt es Orte oder Begegnungen hier, die dich besonders geprägt haben?
Würzburg ist mein Zuhause und die Lebensqualität ist wunderbar! Alles, was ich in meinen Songs erlebe, erlebe ich ja hier. Mir gibt es total viel, mich abends alleine ans Wasser zu setzen und einfach daraufzuschauen. Das einfach so zu können, gibt mir viel Raum zum Denken und Reflektieren, was auch sehr wichtig für die Musik ist.
Was inspiriert dich außerhalb der Musik? Gibt es Bücher, Filme, Menschen oder Orte, die dich immer wieder in ihren Bann ziehen?
Spannende Frage! Ich liebe alles, was mit Kunst zu tun hat, sei es geschrieben, bildlich oder gestalterisch. Hauptsächlich inspirieren mich aber zwischenmenschliche Begegnungen in ihrer Besonderheit. Wir alle leben in so eigenen Welten, und in diese hineinblicken zu können und dadurch Brücken zwischen den Welten zu schlagen, ist sehr besonders für mich.
Wenn Menschen, die dich sehr gut kennen, deine neue EP hören – an welcher Stelle würden sie sagen: „Das ist typisch Anne!“?
Jeder meiner Songs geht einfach gut aus. Spannende Filme halte ich kaum aus, und wenn sie schlecht ausgehen, beschäftigt mich das gerne mal zu lange. Auch die Nachrichten zu schauen, beschäftigt mich sehr, und ich bin überzeugt, dass wir die Hoffnung wie einen Muskel stärken müssen. Wenn also ein eigentlich trauriger Song natürlich wieder gut ausgeht, dann ist das sehr „typisch Anne“.
Wenn du nach vorne schaust: Welches Ziel möchtest du mit aennies als Nächstes erreichen?
Als Nächstes die Weltherrschaft! Auf dem Weg dahin für nächstes Jahr aber erstmal einen gut gefüllten Konzertkalender und weiterhin die Überzeugung und die Liebe für das, was wir tun.
Was soll den Hörerinnen und Hörern nach „Auftauchen“ noch lange im Kopf oder im Herzen bleiben?
Dass wir nichts alleine schaffen müssen. Dass wir zusammen lauthals singen, wenn wir uns leer fühlen, und dass wir immer nach Hilfe fragen dürfen und zusammen stark sind.