Zwischen Wort und Bild – (Nieder)Schlesien in Literatur und Film Vortrag von Dr. Adrian Madej an der Universität Würzburg
bis
Alte Universität Domerschulstraße 16, 97070 Würzburg
Die Stiftung Kulturwerk Schlesien und die Polnische Historische Mission an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg laden herzlich ein zum Vortrag von Dr. Adrian Madej (Universität Wrocław)
am Mittwoch, 26. November 2025, um 18:30 Uhr
im Hörsaal I der Juristischen Fakultät
(„Alte Universität“, Domerschulstraße 16, 2. Obergeschoss)
Der Vortrag widmet sich der Rolle (Nieder)Schlesiens als literarischer und filmischer Erinnerungsraum. Die Region war und ist ein faszinierender Drehort für Filmschaffende: Über 460 Filme wurden hier gedreht – ein eindrucksvoller Beleg für ihre visuelle Vielfalt und kulturelle Anziehungskraft. Besonders hervorzuheben ist Wrocław, wo seit 1953/54 das traditionsreiche Spielfilmstudio Wytwórnia Filmów Fabularnych (2011-2024 Centrum Technologii Audiowizualnych) beheimatet ist. Zahlreiche bedeutende Regisseure, Schauspieler, Kameraleute und Szenografen prägten hier das polnische Kino entscheidend mit. Dabei war (Nieder)Schlesien nicht nur Schauplatz seiner eigenen Geschichten: Die Region „spielte“ im Film häufig ganz andere Teile Polens; vom Osten über Zentralpolen bis hin zu kleinen Provinzstädten. Diese filmische Wandelbarkeit macht sie zu einem einzigartigen Ort der Projektion und Inszenierung. Gleichzeitig ist (Nieder)Schlesien auch in der zeitgenössischen Literatur zu einem wichtigen Erinnerungs- und Imaginationsraum geworden. Sowohl polnische als auch deutsche Autor:innen greifen auf die Region zurück, um Themen wie Identität, Geschichte und kulturelle Mehrschichtigkeit zu verhandeln. In der polnischen Gegenwartsliteratur ist vor allem Wrocław/Breslau zu einem zentralen Schauplatz literarischer Welten geworden. Marek Krajewski hat mit seiner bekannten Reihe um Eberhard Mock ein düster-faszinierendes Breslau der Zwischenkriegszeit geschaffen. In ähnlicher Weise führt Nadia Szagdaj mit ihrer Protagonistin Klara Schulz die Tradition des schlesischen Kriminalromans fort und verbindet historische Recherche mit moderner Spannungsliteratur. Auch in der deutschen Literatur ist (Nieder)Schlesien präsent, als Ort der Erinnerung, der Spurensuche und des kulturellen Dialogs. Die Schriftstellerin Ulrike Draesner widmet sich in ihrem Roman Sieben Sprünge vom Rand der Welt der Erfahrung von Flucht und Vertreibung. Ihr Werk zeigt, wie tief Schlesien im europäischen Gedächtnis verankert ist, nicht nur als geographischer, sondern auch als symbolischer Raum. So offenbart sich (Nieder)Schlesien heute sowohl im Film als auch in der Literatur als vielstimmiger Erinnerungsraum, in dem Geschichte und kulturelle Imaginationen aufeinandertreffen.
Dr. Adrian Madej ist wissenschaftlich-didaktischer Mitarbeiter am Lehrstuhl für Kultur der deutschsprachigen Länder und Schlesiens an der Universität Wrocław. Er studierte Germanistik und Rechtswissenschaften und promovierte mit einer Arbeit zur deutschen Identitätsdebatte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nach 1989. Seine Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem in der Pressepublizistik und der Kulturgeschichte Schlesiens, wie auch in der deutschen, bzw. deutschsprachigen und polnischen Gegenwartsliteratur mit besonderem Augenmerk auf Mitteleuropa. Er habilitiert zum literarischen Bild Osteuropas in der Prosa von Michael Zeller. Zurzeit ist er Prodekan für Lehrqualität und studentische Angelegenheiten an der Philologischen Fakultät der Universität Wrocław.
Die Teilnahme ist kostenlos und ohne vorherige Anmeldung möglich.
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